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Nebenartilleriedeport - Einbindung in die "Oldtimerfabrik Classic"

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Mit einem sehr erfolgreichen Tag der offenen Tür wurde am vergangenen Wochenende in der Neu-Ulmer Lessingstraße die "Oldtimerfabrik Classic" eröffnet. Hier haben sich private Investoren einen echten Traum erfüllt: Neben einem gastronomischem Angebot stehen hier edle und seltene Oldtimer im Mittelpunkt – aber warum berichten wir als Denkmalschützer darüber?

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Im Jahr 1893 wurde hier, auf dem Gelände eines geplanten Außenforts, das Nebenartilleriedepot gebaut. In diesem aus Ziegelstein gebauten Lagerhaus wurden ursprünglich  5.000 Gewehre, Lafetten, Transportwagen und anderes Gerät gelagert. In den vergangenen Jahren diente es für diverse Lagerzwecke und Handwerksbetrieben als Unterkunft. Als wir von dem Konzept „Oldtimer in der alten Kanonenfabrik*“ bzw. "... im Industriebau*" hörten, war uns zunächst bange um das historische Gebäude – hier um so mehr, da es nicht gleich als Festungsgebäude erkennbar ist: Es hat keine Gewölbe, Schießscharten oder Wallanlagen. In der Vergangenheit hatten wir schon oft schlechte Erfahrungen im Umgang mit Festungsgebäuden gemacht. (*=falsch, weil keine Produktion stattgefunden hat).
Unsere Befürchtungen traten nicht ein und das Gebäude wurde komplett erhalten. Durch den davor erstellten modernen Neubau steht es nun zwar nicht mehr in seiner ganzen Länge frei da, die gelungene Verbindung der beiden Bauwerke kann aber als optimal bezeichnet werden. Der gläserne Verbindungsbau schränkt die historische Fassade so wenig als nötig ein und ermöglicht neue Aus- und Einblicke –  "aus dem Neubau" hat man stets den rötlichen Altbau im Blick. Auch im Nebenartilleriedepot verwendeten die Architekten passendende Materialien, die das denkmalgeschützen Gebäude aufwerten. Im Erdgeschoss wurden die einzelnen Werkstatt- und Verkaufsbereiche mit Glastrennwänden unterteilt um dadurch die nötige Transparenz zu gewährleisten. Das Obergeschoss, in dem ebenfalls Oldtimer stehen, wurde kaum verändert und präsentiert sich im originalen, offenen Zustand.
Zusammenfassend können wir sagen, dass es in Neu-Ulm ein neues "Musterdenkmal" gibt. Die Architekten und Investoren haben gezeigt, dass man ein historisches Festungsgebäude ohne weitreichende Veränderungen oder sogar Zerstörungen einer neuen Nutzung zuführen kann. Das gibt uns, nach den zurückliegenden Erfolgen wie Kienlesberg-Kaserne (1995), Caponniere 4 und Werk I, die Hoffnung, dass das in der Region selbstverständlich wird und wilde Zerstörungen aus finanziellen Interessen oder Einfallslosigkeit sich nicht wiederholen.
Sorgen bereitet uns die Bebauung des Glacis Ost neben der Caponniere 4: In 2,5m Tiefe sind Mauerreste erhalten. Bisher ist eine Dokumentation, Erhaltung oder oberirdische Andeutung nicht geplant und bald kommen die Bagger!

Die Bilder zeigen das Gebäude im Juli 2009, die Bauarbeiten im August 2009 und die Eröffnung der Oldtimerfabrik Classic am 26./27. Juni 2010 nach einer traumhaften Renovierung! Wir wünschen viel Erfolg!