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Protokoll der Bundesmilitärkommission 1866

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Ein außerordentliches und gänzlich unverhofftes Weihnachtsgeschenk erhielt der Förderkreis Bundesfestung Ulm vom Dornstadter Unternehmer Werner Ziesel: Ein Originalprotokoll der Bundesmilitärkommission vom 21. Februar 1866. Darin steht viel Interessantes zur damaligen Sitation der Bundesfestung Ulm, weshalb der passionierte Sammler von Kinderbüchern bei einer Auktion darauf aufmerksam

. geworden war. Kurzentschlossen hatte er die sechs gefalteten und mit Prägestempeln versehenen Bögen ersteigert. Die Arbeit des Förderkreises kannte er und nahm an, dass derartige Unterlagen bei uns in guten Händen wären. Kurz vor Weihnachten fand dann die feierliche Übergabe in den Räumen der Firma ABM Messtechnik statt. Die Vertreter des Vereins waren begeistert von den gut erhaltenen historischen Dokumenten. Sie wurden inzwischen für eine geplante museale Verwendung digitalisiert und sollen dem Teil des Vereinsarchivs zugeführt werden, das im Stadtarchiv Ulm eingelagert ist.

Das Protokoll trägt den Aufdruck "loco dictaturae", was "anstelle des Diktats" bedeutet und keine Veröffentlichung, sondern ein Zugänglichmachen für einen begrenzten Personenkreis ausdrückt. Wie man weiß, war der Personenkreis in diesem Fall gar nicht so klein und angesichts der vielen Mitgliedsstaaten hatte der Deutsche Bund einen recht großen Vervielfältigungsaufwand. Inhalt des Protokolls ist hauptsächlich der Bericht über die Bundesfestung Ulm im Hinblick auf das Jahr 1865, den die der Bundesversammlung zugeordnete Militärkommission zur Kenntnis nahm und deren darin enthaltene Mittelanforderungen für das laufende Jahr 1866 sie bewilligte. Die Auflistung der Ausgaben und Einnahmen liest man dabei durchaus mit einem Schmunzeln: dort kommen auch kleinste Ausgaben detailliert zur Sprache, etwa ein (schließlich nicht genehmigter) Bau einer Holzhütte bei der Militärbäckerei. Das wird dadurch verständlich, dass der Deutsche Bund ja kein Staat war, in welchem hierfür eine nachgeordnete Verwaltung existiert hätte. Der eigentlich nur aus der Bundesversammlung und ihren Kommissionen bestehende Verwaltungsapparat des Bundes musste sich daher auf allerhöchster Ebene mit besagten Holzhütten beschäftigen.

Sehr interessant ist die allgemeine Beschreibung der Lage der Ulmer Festung, die wir Ihnen aus diesem Grund hier zugänglich machen. Der Bericht erwähnt ausdrücklich, dass die Ulmer Festung 1866 zwar in gutem Zustand, aber durch die Einführung des gezogenen Geschützes in ihrem Wert gemindert sei. In deutlichen Worten mahnt der Bericht, das "Bollwerk Süddeutschlands wieder in jenen Ehrfurcht gebietenden Stand zu setzen, der auch der Kraft des hohen Deutschen Bundes würdig entspricht". Damit sind längst konkret geplante, überfällige Maßnahmen gemeint, die durch Erdvorlagen, Neu- und Umbauten die Festung dem Kampf mit dem gezogenen Geschütz anpassen sollten. Bekanntlich kam es jedoch schon kurz nach der protokollierten Sitzung zum Zerfall des Deutschen Bundes. Modernisierungen an der Festung führte dann erst mehr als zehn Jahre später das Deutsche Reich durch.