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Fort Oberer Kuhberg - Schartenreparatur abgeschlossen

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Mühsam war es, aber das Ergebnis rechtfertigt allen Aufwand! Nach drei Jahren ist die Reparatur der Scharten des Nordturms so gut wie abgeschlossen. Ein paar Handgriffe sind freilich noch zu erledigen, etwa die Nachbearbeitung mancher Oberflächen, die zur Vereinheitlichung der Ansicht noch gestockt werden müssen. Zum Abschluss hier ein etwas ausführlicherer Rückblick auf die Arbeiten.

Diese Schartenreparatur war für uns in Ausmaß und Originaltreue etwas ganz Neues. Wir haben viel dabei gelernt. Das akurate Mauern mit Vollziegeln, das Versetzen von Kalksteinquadern und -platten, die Ergänzung untergeordneter Stellen mit Beton sowie dessen Nachbearbeitung. Immer mehr wurden uns dabei die Methoden der Baumeister von damals klar, unser Respekt für sie wuchs weiter!

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Innerhalb der Aktiven entstand dabei ein harter Kern an Schartenbausachverständigen. Dieses Team kannte am Ende alle Tricks der originalgetreuen Reparatur im Detail. Die anderen Aktiven legten aber auch immer wieder mit Hand an, etwa um Gerüste auf- und abzubauen, Beton anzumischen und in Kübeln an den Bestimmungsort zu tragen, Schutt wegzuräumen und vieles mehr. Auch wenn es einen oft hart ankam, war sich niemand zu schade für mühsame und stupide, aber ebenso nötige Arbeiten, handelnd im Bewusstsein, das Gesamtprojekt nur so zum Erfolg führen zu können.

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Die Methoden zur Reparatur waren sehr durchdacht auf die jeweilige Situation abgestimmt. Denkmalpflegerisches Ziel war, so wenig wie möglich an alter Substanz abtragen zu müssen. Museales Ziel war, so gut wie möglich die Optik dem Original anzunähern. Doch nicht zu vergessen: bezahlbar und mit Ehrenamtlichen durchführbar musste das alles auch sein. So wurden die innenliegenden Mauerkerne und auch die raumseitigen Gewandungen aus speziellem Beton gegossen, den wir aus Trasszement, Weißzement, Sand und Kalkschotter selbst herstellten.

Die zweite Arbeitstechnik bestand im Mauern mit Vollziegeln. Anwendung fand dies vor allem beim originalgetreuen Einwölben der Schartenstürze. Dabei verwendeten wir neu hergestellte handgestrichene Klinker, die zwar sündhaft teuer sind (4,-€/Stk), aber es auch wirklich mit ihren Vorbildern aufnehmen können. Ein Sturz enthält dabei im Original 228 Steine in 19 Perpendikularlagen, wir mauerten aber nicht den ganzen Block aus. Als man nämlich in den 1940er Jahren die Scharten zu Fenstern ausbrach, betonierte man Fensterstürze ein, um das darüberliegende Mauerwerk zu tragen. Wir kürzten sie nur soweit wie nötig und mauerten außenherum.

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Die dritte Technik war das Versetzen von Kalksteinen in der Fassade - und aus Kostengründen auf diese beschränkt. Die Einfassungen der Scharten waren hier zu richten und stellenweise auch Bereiche weit darunter, da einst nicht nur Fenster, sondern auch Türen in den Turm gebrochen worden waren. Bei näherer Betrachtung zeigten sich dabei an der Turmfassade weitere großflächige Schäden, an deren Behebung wir vorerst aber nicht denken konnten. Wir mussten uns auf die Scharten und ihre unmittelbare Umgebung konzentrieren.

Die meisten Kalksteine waren 12cm starke Platten, die auf Maß gebracht und vorgeblendet wurden. Dabei kam es uns zugute, dass die Baumeister von damals recht einheitliche Maße verwendet haben: Steine sind entweder 1 Fuß oder 1 Fuß 3 Zoll hoch und da 1 Fuß genau 32,5cm entspricht, ist der Rest einfach. Schwerer ist das Bearbeiten von Steinen an Ecken und Gesimsen, wo nicht einfach nur vorgeblendet werden kann. Hier haben wir Rohblöcke mit bis zu 300kg Masse gekauft und dann selbst weiter behauen. Größte Herausforderung waren die teils recht kompliziert geformten Gesimssteine.

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Weil die Arbeit mit den Scharten geradezu innige Verbindungen zwischen diesen und ihren Bearbeitern heraufbeschworen hat, wurden mit der Zeit sämtliche Scharten mehr oder weniger liebevoll getauft. Sie werden ihren Namen noch lange behalten:

Gemeine Geschützscharte (mehrfach geplatzte Verschalungen, ein gemeines Ding)

Matthias' Versuchsscharte (die ersten Versuche, später weit übertroffen)

Betonblockscharte (den Kern der Reparatur bildet ein 5 Tonnen schwerer Betonblock)

Namenlose Scharte (jeder Kommentar erübrigt sich)

Romanzenscharte (...nein, nur wegen der Verwendung von Romanzement)

Türscharte (eine Tür musste bleiben)

Fünftes Element (die letzte der fünf Gewehrscharten mit besonders vertrackter Formgebung)